FUSSBALLINTELLIGENZ VON JUGENDSPIELERN FÖRDERN

Wie definiert man eigentlich einen „guten Fußballspieler“? Während die Technik und Athletik eines Spielers meist sofort genannt werden, bleibt die „Fußballintelligenz“ eines Spielers nicht selten unbeachtet. Coach Ellis Riley, Gründer von „Soccer IQ“, erklärt euch in unserem Trainingsblog, warum gerade der kognitive Aspekt des Spiels so wichtig ist.

Es ist kein Geheimnis, dass die größten Spieler, die wir je gesehen haben, häufig auch die Intelligentesten waren. „Fußballintelligenz“ ist kein Mythos. Spieler, die in der Lage sind ein Spiel zu verstehen, auseinander zu nehmen und detailliert analysieren können, wie es sich entwickelt, sind diejenigen, die wir als „Vordenker“ des Spiels sehen.

Ein großes Thema des heutigen Jugendfußballs ist, dass wir besonders im Breitensport einen Mangel an kognitiv gut entwickelten Spielern haben. Aber, ist das schon immer ein Problem? Manche mögen jetzt widersprechen, aber warum entfacht diese Diskussion dann immer öfter in letzter Zeit?

Heutzutage verbinden wir das Wort „Athlet“ mit einem Spieler der sichtbar „überlegen“ ist. Natürlich würde diese Definition für einen 13-jährigen Flügelspieler, der 1,73m ist und 100 Meter in unter 12 Sekunden sprintet, voll und ganz zutreffen … Aber gerade als Trainer, müssen wir noch genauer hingucken, um vor allem die kognitiven Fähigkeiten unserer Spieler zu sehen.

"Können unsere Spieler diese Entscheidungen und Techniken innerhalb von 3-5 Sekunden nach der Ballannahme abrufen?"

Trainer müssen hierbei gründlich analysieren… Schauen die Spieler auch mal über die Schulter und verstehen wie wichtig es ist freie Räume zu finden? Haben sie die mentale Stärke um auf engem Raum zu spielen und dem Druck in Ruhe auszuweichen? Malen sie mentale Bilder von ihrer nächsten Bewegung, bevor der Ball an ihren Füßen ist? Sind sie in der Lage einen haargenauen Steilpass unter Druck zu spielen? Können sie Pässe annehmen und im gleichen Rhythmus mit beiden Füßen spielen? Können sie problemlos in verschiedenen Geschwindigkeiten dribbeln? Und abschließend, können unsere Spieler diese Art von Entscheidungen treffen und ihre herausragenden Techniken innerhalb von 3-5 Sekunden nach der Ballannahme abrufen?

Jugendspieler entwickeln sich drastisch, jedoch mit unterschiedlichem Tempo und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Messi ist ein Paradebeispiel. Genauso Andrea Pirlo, der Jahrelang einer der besten zentralen Mittelfeldspieler in Europa war. Stellt man diese Beiden Seite an Seite mit Christiano Ronaldo und fragt nach dem besseren „Athleten“, in Bezug auf die physische Erscheinung, ist die Antwort eindeutig… Aber es ist fast genauso wichtig zu erkennen, dass das Gehirn letztendlich die Verarbeitung von allem übernimmt. Besonders im Jugendbereich hören wir Eltern und Trainer immer wieder sagen „Da waren die Füße schneller als der Kopf“. Genau das ist der Punkt an dem wir mit Spielern an der kognitiven Seite des Spiels arbeiten müssen, damit sie ihre athletischen Fähigkeiten ergänzen. Wenn wir junge Spieler nicht dazu ermutigen das Spiel zu studieren, ihnen nicht beibringen schnell zu denken und Entscheidungen aufgrund von visuellen Reizen zu treffen, dann werden sie niemals lernen das Spiel als Ganzes zu verstehen und zu schätzen.

"Eine kleine Bewegung ohne Ball kann einen unschätzbaren Einfluss auf sie selbst oder ihre Teamkollegen haben."

Zu viele Athleten werden heutzutage als „Gute Spieler“ bezeichnet, weil sie eine gerade Strecke schnell laufen können und ihren Gegnern körperlich überlegen sind, aber viel zu selten wegen ihrer kreativen, flexiblen und aufgeschlossenen Einstellung gegenüber dem Spiel. Unsere Spieler müssen den Mehrwert von dem sehen, was sie ohne den Ball machen. Viel zu oft sind sie davon fasziniert unbedingt irgendwas mit dem Ball machen zu müssen, dabei kann eine kleine Bewegung ohne Ball einen unschätzbaren Einfluss auf sie selbst oder ihre Teamkollegen haben.

Wir müssen versuchen unseren Spielern ein gutes kognitives Grundverständnis zu geben, dass es ihnen erlaubt ihr eigenes Spiel zu analysieren. Spiele anschauen, Laufwege beobachten – Fußballintelligenz ist auch eine Denkweise, die die Augen trainiert das Spiel mit und ohne Ball zu visualisieren. Eine Denkweise, die das Gehirn trainiert verschiedene Spielszene zu malen und zu antizipieren. Und eine Denkweise, die den Spielern beibringt den Zweck dieses vorausdenkenden kognitiven Ansatzes zu verstehen.

Coach Ellis Riley


Dieser Artikel wurde von Ellis Riley, Gründer von „Soccer IQ – Ahead of the Game“ geschrieben. Mehr Infos und Artikel findet ihr auf seiner WebseiteTwitter Profil und in unserem planet.training Trainingsblog.

Euer Team von planet.training

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