AUSSERGEWÖHNLICHE TRAININGSMETHODEN: DARK- & SILENT PRACTICE

Egal ob ein Spieler, der immer wieder den langen Ball spielt, obwohl der kurze Pass sinnvoller ist oder einer der nie die Augen vom Ball nimmt. Es gibt Situationen, wo ein Trainer mit Worten nicht mehr weiterkommt und sich besonderer Trainingsmethoden bedienen sollte. Zwei solcher Varianten sind das „Dark“ und „Silent Practice“. Was das ist erklären wir euch in diesem Artikel.

Jeder Trainer ist vermutlich schon mal an einen Punkt gekommen, wo er mit der eigenen Mannschaft an Grenzen stößt. Anstatt weitere Fortschritte zu erzielen, plagt man sich mit immer wiederkehrenden Situationen herum: Spieler machen die gleichen taktischen Fehler wieder und wieder oder übersehen ständig entscheidende Kleinigkeiten im Spielaufbau.

In solchen Situationen ist die Fehlersuche nicht einfach. Die Wortwahl bei Fehlerkorrekturen scheint verständlich und präzise, die Struktur des Trainingsplans mit seiner Übungsabfolge sinnvoll. Was also tun? Alles umwerfen und neu starten?

Das würde zunächst eine Menge Arbeit bedeuten und sollte daher nur als absolute Notlösung gesehen werden. In einem ersten Versuch sollten zunächst einzelne Einflussfaktoren verändert werden. Wie bei einem Koch der an seinem Gericht tüftelt, sind Zutaten und Dosierung entscheidend. Wie verändert man also genau diese Parameter für das gesamte Training und einzelne Übungen?

"Plötzlich müssen andere Lösungsansätze gefunden werden, um die Übung erfolgreich zu absolvieren."

Eine Möglichkeit ist das sogenannte „Dark Practice“, welches sich besonders in den dunkleren Jahreszeiten anbietet. Bei dieser Methode wird einfach das Hallenlicht gedimmt oder die Fluchtlichtanlage teilweise ausgeschaltet. Das Training soll aber nicht in kompletter Dunkelheit stattfinden, schließlich sollen Spieler und Trainer noch genügend sehen um die Übung durchführen zu können. Die Beeinträchtigung der Sicht hat erstaunliche Effekte auf die Wahrnehmung der Spieler. Plötzlich müssen andere Lösungsansätze gefunden werden, um die Übung erfolgreich zu absolvieren. Dies spiegelt sich in einem veränderten Verhalten der Spieler und angepassten Taktiken wieder. In Spielsituation wo Spieler immer den langen Pass genutzt haben, scheint ihnen plötzlich eine Kombination kurzer Pässe als effektivere Lösung. Ebenso ist ein verändertes Kommunikationsverhalten zu beobachten – Spieler die zuvor wenig Anweisungen wahrnehmen, bemerken nun die akustischen Signale ihrer Mitspieler. Durch die neue Situation richtet sich der Fokus der Spieler auf neue Indikatoren. „Dark Practice“ ist ein guter Ansatz um neue Lösungswege und Teamkommunikation zu fördern.

"Die Wahrnehmung und Spielweise der Spieler passt sich an die neue Situation an."

Gerade in Jugendmannschaften ist der Redebedarf unter den Spielern groß. Allerdings sind Unterhaltungen nicht immer auf taktische und fußballspezifische Aspekte beschränkt, was die Trainingseinstellung der Spieler stark beeinflussen kann. Ist die Kommunikation zwischen Spielern nicht nur ausreichend, sondern sogar zu viel, können Trainer zur Methode des sogenannten „Silent Practice“ greifen. Hier wird jegliche Form der verbalen Kommunikation untersagt. Besonders bei Spielformen kann ein Verstoß gegen diese Regel mit einem Ballverlust gehandhabt werden. Ähnlich wie beim „Dark Practice“ konzentrieren sich die Spieler nun auf ihre anderen Sinne. Die Wahrnehmung und Spielweise der Spieler passt sich an die neue Situation an. Besonders Spieler die ihr Spiel auf verbale Reize auslegen, weil die Augen auf dem Ball sind, müssen nun den Blick heben um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch die Art und Weise wie Spieler auf sich aufmerksam machen verändert sich. Plötzlich werden bessere und offensichtlichere Positionen eingenommen und Taktiken werden effizienter ausgespielt.

Die Trainingsmethoden „Dark Practice“ und „Silent Practice“ kommen ursprünglich aus dem Basketball, was mal wieder beweist, dass es sich hin und wieder lohnt über den Tellerrand der eigenen Sportart zu schauen. Mit beiden Methoden wird den Spielern ermöglicht, dass sie selbstständig auf Lösungsansätze kommen und die Möglichkeiten einer Taktik direkt erfahren. Das Lernen durch Selbsterkenntnis erfolgt in der Regel schneller als es durch Worte vermittelt werden kann. Kleine Unterschiede in der Trainingsmethodik können Spielern also bereits helfen, Taktiken besser zu verstehen und sie erfolgreicher umzusetzen.

Vielleicht kann ein „Dark“ oder „Silent Practice“ auch den Lernfortschritt eurer Spieler beschleunigen.

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